
Am 20.04.1904 wurde im Saal von Josef Neef III. in Kriegsheim die TG gegründet. In einer Versammlung, geleitet vom Vorstand des Monsheimer Turnvereins, entstand damals der Name "Turngemeinde 1904 Kriegsheim". Unter den 62 Mitgliedern wurde ein provisorischer Ausschuß gewählt. Am Gründungstag konnten 25 aktive und 37 passive Mitglieder registriert werden. Der zum Präsident ernannte Georg Brunner berief am 25. April des gleichen Jahres die erste Generalversammlung im Gasthaus von David Gorth ein. 39 erschienene Mitglieder wählten den Gründungsvorstand mit Georg Brunner, Karl Neef, Heinrich Wissig, August Bechthold, Jakob Hofmann, Philipp Göbel, Wilhelm Eberhardt und Michel Beringer sowie die Turnwarte Heinrich Köster und Heinrich Siebecker. Georg Wurm wurde Vereinsdiener.
Bereits am 9. Mai 1904 wurde die TG durch Beschluß des Gauvorstandes im 5. Gau und 9. Kreis der Deutschen Turnerschaft aufgenommen.
Der damalige Bürgermeister Hedderich sorgte für finanzielle Unterstützung seitens der Gemeinde bei der Anschaffung erster Turngeräte. Außerdem wurde der gemeindeeigene Turnplatz dem Verein zu Verfügung gestellt. Im Gründungsjahr wurde innerhalb der TG auch eine Musikgruppe aufgestellt zu der 6 Mitglieder gehörten. Die Musikinstrumente stellte der damalige Militärverein zur Verfügung. Die Aktiven nahmen erstmals an einem Gauturnfest teil, welches in Pfeddersheim stattfand. Zum Vereinslokal bestimmte man das Lokal Neef. Dort wurde nach Abschluß des ersten Vereinsjahres 1905 bei einer Mitgliederversammlung Rückschau gehalten. Man war mit dem Turnerischen zufrieden und konnte einen finanziellen Gewinn von DM 1,71 verbuchen. Schriftführer Karl Neef verzeichnete, daß im Gründungsjahr 6 Generalversammlungen und 2 Vorstandssitzungen notwendig waren, um die Vereinsgeschicke am Laufen zu halten.

Die ersten Jahre
Der langjährige Turnwart Jakob Jordan trat als Turnwart 1905 erstmals in Erscheinung. Es fanden in diesem Jahr ein vereinsinternes Abturnen und ein Abschlußball im Turnlokal statt. Der Himmelfahrtstag eines jeden Jahres war für Vereinsmitglieder Ausflugstag. Ein Vergnügungsausschuß innerhalb des Vorstandes war zwischenzeitlich gegründet worden. Die jeweiligen Ausflüge fanden "auf Schusters Rappen" statt. Einmal ging's nach Bensheim-Auerbach und ans Felsenmeer, ein andermal nach Bad Dürkheim an die Weinstraße.
Ab 1906 übernahm Karl Neef als Präsident die Geschicke des Vereins.
1908 veranstaltete der Verein eine Kappensitzung am Fastnachts-Samstag. Die aktiven nahmen in diesem Jahr an sehr vielen Turnfesten teil. In der Generalversammlung gedachte man des Geburtstages des Großherzogs sowie der Geburt eines zweiten Prinzen im großherzoglichen Haus mit einem 3-fachen "Gut Heil" auf den Großherzog und die großherzogliche Familie.
In einer neuerlichen Versammlung wurde ein Zeugwart in den Vorstand gewählt, der für das Inventar des Vereins verantwortlich war. Ab sofort durfte an den Geräten nicht mehr mit genagelten Schuhen geturnt werden. Mit einem Fahnendfonds wurde begonnen, denn die Anschaffung einer Vereinsfahne war schon lange im Gespräch.
1910 wurde die heute noch existierende Vereinsfahne beim 1. Turnfest der Turngemeinde 1904 Kriegsheim geweiht. Festplatz war damals ein Bauplatz vor den späteren Sand- und Tonwerken in Kriegsheim.
Beachtliche Erfolge erzielten die aktiven Turner in den darauffolgenden Jahren. Mit den Turnwarten Jakob Jordan, Peter Ammon und Jakob Milch ging es zu unzähligen Turnfesten und die Kriegsheimer Turnerriegen wußten durch überragende Leistungen immer wieder zu überzeugen.
1913 wurden die ersten Rekruten aus dem Verein zum Militär einberufen. Das 10-jährige Stiftungsfest fand in kleinem Rahmen statt, denn die meisten Mitglieder waren bereits zur Fahne abgerufen, um für's Vaterland zu streiten. "Auf dem Felde der Ehre" fielen im ersten Weltkrieg 1914-1918 viele verdiente Mitglieder.
Die 20er und 30er Jahre
1919 wurde der Turnbetrieb unter dem Vorsitz von Wilhelm Obenauer wieder aufgenommen. Durch eine Ortssammlung war es möglich, neue Turngeräte anzuschaffen. Eine Riege der TG nahm noch im gleichen Jahr am Landskronturnfest in Oppenheim teil.
Im Jahr 1920 bildete man innerhalb des Vereins eine Gruppe, die Theaterabende inszeniert. Jeweils an Fastnachtsdienstag fand eine Bierabend für alle Mitglieder statt. Eine Leichtathletikabteilung wurde unter Leitung von Karl Wurm ins Leben gerufen.
1922 wurde eine Ehrentafel für die Gefallenen des 1. Weltkrieges errichtet und eingeweiht. Die Trommler und Pfeifer des TG Musikzuges erhielten neue Instrumente.
1923 wechselte man das Vereinslokal. Das Lokal Gorth und Gasthaus "Zur Krone" wurde von den Aktiven der TG bezogen. Vorher fanden die Übungsstunden ausschließlich im Saal der Gastwirtschaft Neef sowie auf einem hiesigen Turnplatz statt. Die Inflation im gleichen Jahr warf den gesamten Haushaltsplan über den Haufen.
1924 feierte man das 20-jährige Stiftungsfest bei dem viele auswärtige Vereine mitwirkten u.a. auch die Turngemeinde Worms.
Die Kriegsheimer Turnerriegen waren von nun an wieder bekannt wie vor dem 1. Weltkrieg.

In den Jahren 1926-1928 wurden zahlreiche Turnfeste besucht, und daß man erfolgreich war, geht aus den Protokollen des damaligen Schriftführers Karl Wurm immer wieder hervor.
1929 wurde das silberne Jubiläum groß aufgezogen. Wieder auf dem Bauplatz der Sand- und Tonwerke begrüßte der Vorsitzende Wilhelm Scherrer viele der TG verbundene Vereine und Ehrengäste. Im Blickpunkt des Geschehens standen die in den zwanziger Jahren gegründeten Damen- und Herrenriegen. Es gab einen Umzug, bei dem der damalige Vorstand in Frack und Zylinder mitmarschierte.
Unter dem Vorsitz von Jakob Bollinger ging es 1930 weiter. In der Gemeinde Kriegsheim gründete sich in diesen Jahren auch ein selbständiger Männerchor. In dieser Vereinigung gab es aber bald Unstimmigkeiten, teils parteipolitische, was schließlich zu einer Fusion des neugegründeten "MGV" mit der TG führte. Sämtliches Inventar des "MGV" ging an die TG über. Bald war man jedoch wieder gezwungen, etwas zurückzustecken. Der 2.Weltkrieg warf bereits seine Schatten voraus und brachte schließlich die Turnerei ganz zum Erliegen. Das Vereinsleben wurde wie überall auf das Mindeste beschränkt.
Der Neuanfang
Nachdem 1949 mit Genehmigung der Militärregierung die Vereinstätigkeit unter dem noch immer amtierenden Vorsitzenden Jakob Bollinger wieder aufgenommen worden war, wurde auch die Gesangsabteilung gegründet. Alle Notenbestände und Sonstiges, Eigentum eines früheren Kriegsheimer Gesangvereins, der nichts mit der TG zu tun hatte, konnten übernommen werden, da dieser Verein erloschen war. Der hiesige Lehrer Dr.Herbert Förster konnte als Chorleiter eine großen Anzahl begeisterter Sänger begrüßen.

Der Turnbetrieb lief wieder auf vollen Touren und die Turnwarte Jakob Jordan und Gerhard Scherrer wurden Anfang 1950 in der ersten Generalversammlung nach dem 2. Weltkrieg in ihren Ämtern bestätigt.
Ab 1951 veranstaltete man wieder Theaterabende, die die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit bis weit über die Grenzen von Kriegsheim hinaus weckten. Oberturnwart Jakob Jordan war zwischenzeitlich die Ehrenurkunde des Rheinhessischen Turnerbundes überreicht worden. Von der TG wurde er zum Ehrenmitglied und zum Ehrenoberturnwart ernannt. Er nahm 1951 als 70-jähriger noch aktiv an einem Turnfest in Ingelheim teil. Albert Klein und Hans Müller machten sich in den nun folgenden Jahren als Turnwarte verdient.
Die Gesangsabteilung nahm 1952 erstmals an einem Sängerfest in Marienthal am Donnersberg teil.
1953 übernahm Heinrich Martin Herweck den Vorsitz des Vereins. Der langjährige Vorsitzende Jakob Bollinger wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Nachdem Lehrer Dr.Förster über 3 Jahre als Chorleiter der Gesangsabteilung fungiert hatte, übernahm nun Philipp Grafenberger den Taktstock. Ende 1953 geriet die Gesangsabteilung in eine Krise, auch Chorleiter Grafenberger legte sein Amt nieder. Doch einige beherzte Sänger ließen die Abteilung nicht untergehen. Unter Leitung von Hannelore Christmann wurde, wenn auch nur im Quartett, weitergesungen.